Weiter auf dem Great Glen Way plus kleinem Abstecher nach Aberdeen

Nachdem ich vor etwa eineinhalb Jahren den Great Glen Way in Schottland in Angriff genommen habe, war es so langsam an der Zeit, mit diesem Projekt weiterzumachen. Damals hatte ich mich vor der Etappe von Drumnadrochit nach Inverness gedrückt, da diese die schwierigste Etappe des Great Glen Way ist. Mehr als 30 Kilometer und dazu noch einige hundert Höhenmeter. Zudem lässt sich diese Etappe nicht wirklich gut teilen. Man muss also durchziehen.

Ankunft in Inverness

Relativ kurzentschlossen habe ich mich dann Anfang November auf den inzwischen bekannten Weg nach Inverness gemacht, um explizit diese lange Etappe zu meistern. Wettervorhersage eher durchwachsen, aber man kann ja nicht alles haben. Zumindest habe ich einen passenden Flug und ein strategisch gut gelegenes Hotel für meine Unternehmung gefunden. Wie beim letzten Mal wollte ich wieder mit dem Bus zum Startpunkt der Etappe fahren. Dieses Konzept hatte sich ja bereits bewährt. Zur Bushaltestelle waren es von Hotel aus keine 100 Meter. Innenstadt, Geldautomat und Supermarkt ebenfalls alle nahe bei.

Tag 1: Great Glen Way von Drumnadrochit nach Inverness

Gleich mit dem ersten Bus ging es morgens kurz nach 6 Uhr los in Richtung Drumnadrochit. Im Nessieland war es noch Dunkel. Nessie hat vermutlich noch geschlafen. Die erste Stunde musste ich in der Morgendämmerung entlang der Straße wandern. Dann ging der Weg endlich in den Wald hinein.

Nach dem Anstieg durch den Wald gab es auf den freien Flächen die ersten Blicke auf wattige Nebelbänke. Vom Loch Ness war aber nichts zu sehen. Ich entschied mich für die „High Route“ des Great Glen Way. Diese führt über die Bergspitze „Carn Na Leitire“ und bietet (zumindest bei gutem Wetter) einen tollen Rundumblick inklusive Loch Ness (so jedenfalls meine Vermutung). Ich hatte nur Nebel rundherum, aber das war auch klasse anzuschauen. Aus den Nebelschwaden guckten die einzelnen Bergspitzen heraus.

Nach einer kurzen Mittagsrast am Abriachan Forest Trust ging es über eine doch recht längliche, später dann asphaltierte Strecke immer geradeaus Richtung Inverness. Das Abriachan Café an der Strecke ließ ich allerdings aus; ich hatte ja gerade Pause gemacht. Mit dem letzten Waldstück vor Inverness wurde die Landschaft nochmal etwas interessanter, bevor es dann durch einige Neubaugebiete und ein kurzes Stück entlang des Caledonian Canal hinein nach Inverness ging.

Insgesamt waren es 30,5 km, die ich in 10:03 Stunden gelaufen bin. Ich denke, mit dem Wetter hatte ich eher noch Glück gehabt. Es war zwar kühl und neblig, aber bis auf etwas Nieselregen am späten Vormittag bin ich trocken geblieben. Vom Loch Ness konnte ich wegen des Nebels nichts sehen, aber der Weg über die „High Route“ hat sich gelohnt. Ein Panoramablick auf das Meer aus weißer Watte rundherum, aus dem die einzelnen Spitzen herausschauten.

Tag 2: Kurzer Ausflug nach Aberdeen

Wie immer hatte ich noch einen Reservetag eingeplant. Um die Wanderung bei schlechtem Wetter gegebenenfalls noch schieben zu können oder um sie zu vervollständigen für den Fall, dass ich doch zwischendrin abgebrochen hätte.

Dies war aber nicht notwendig. Somit hatte ich diesen Tag zur freien Verfügung. In Inverness hatte ich mir beim letzten Mal schon so ziemlich alles angeschaut. Ich habe mich daher entschlossen, einen kleinen Ausflug mit der Bahn zu machen. Glasgow und Edinburgh wären mit jeweils 3,5 Stunden pro Richtung etwas weit weg gewesen. Und weiter Richtung Norden sind die Verbindungen eher dünn. Daher ging es nach Aberdeen. Knapp über 2 Stunden pro Richtung, aber das war in Ordnung.

Mehr als ein kurzer Rundgang durch die Stadt war aber nicht drin. Einmal zur Küste mit Blick auf die Nordsee und dann noch die Union Street, die wichtigste Einkaufsstraße von Aberdeen, einmal rauf und wieder runter. Leider waren hier viele Baustellen. Und ansonsten gab es dort viele Billiggeschäfte. Nicht unbedingt so sehenswert.

Aber immerhin hat Aberdeen seinem Namen alle Ehre gemacht. Aberdeen trägt den Beinamen „Granite City“ eben weil viele Gebäude aus Granit gebaut sind. Zu Beginn meines Besuches hat sich das Grau der Gebäude mit dem Grau des Nebels zu einer harmonischen Tristesse zusammengefügt. Später ließ sich die Sonne dann noch blicken. Aber alles in allem würde ich Aberdeen jetzt nicht unbedingt weiterempfehlen. Vielleicht war ich mangels Zeit aber auch nicht an den schönen Ecken vorbei gekommen.

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